Kreta Reise-Impressionen

Knossos - die größte und berühmteste minoische Palastanlage

ZentralkretaKreta InselKreta mit Knossos

Der minoische Palast von Knossos ist wahrscheinlich Kretas größte Attraktion. Knossos liegt ungefähr fünf Kilometer südlich von Iraklion, nahe den Ufern des Flusses Keratos. Der Legende nach war Knossos das Labyrinth des Königs Minos, der dort ein Wesen - halb Mensch, halb Stier - den Minotaurus, gefangen hielt.

Wenn man bedenkt, dass bis vor 100 Jahren niemand ahnte, dass lange vor der griechischen Zeit in Europa bereits eine Hochkultur existierte, so war die Ausgrabung des Palastes von Knossos ein Ereignis, das die damalige Geschichtsschreibung Kretas in neues Licht rückte. Auf einer enorm großen Fläche von 75 Hektar stehen die Überreste dieses faszinierenden Palastes, wobei nur ein Teil davon der Öffentlichkeit zugänglich ist. Immerhin hatte er mehr als 1200 Zimmer, die sich auf 5 Ebenen verteilten und man vermutet, dass auf dem Höhepunkt der minoischen Kultur sogar über 100.000 Menschen im Palast und seiner Umgebung lebten. Diese riesige Anzahl an Räumen wurde vermutlich sowohl für wirtschaftliche als auch spirituelle Zwecke genutzt.

  • Palast von Knossos auf Kreta

    Geschichte

    Knossos war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Einige Überreste lassen darauf schließen, dass es bereits ab 6000 v. Chr. erste Siedlungen in diesem Gebiet gab. Allerdings wurde der erste minoische Palast erst um 2000 v.Chr. errichtet, wobei dieser bereits 300 Jahre später durch ein schweres Erdbeben fast vollständig zerstört. An gleicher Stelle wurde ein neuer Palast erbaut, der noch größer und prächtiger als der alte war. Auch als um 1450 v. Chr. dieser Palast wieder zerstört wurde, ist er ein weiteres Mal neu aufgebaut worden. Während die umgebende Stadt bis in die frühbyzantinische Zeit existierte, wurde der Palast ab 1200 v.Chr. nach einer weiteren kompletten Zerstörung nicht mehr erbaut und benutzt. Die Siedlung selbst geriet auch in Vergessenheit, bis Minos Kalokairinos, ein kretischer Archäologe, gegen Ende des 19.Jahrhunderts einige Lagerräume der Siedlung entdeckte.

  • Palastanlage von Knossos auf Kreta

    Besichtigung

    Die Besichtigung der Palastanlage von Knossos kann durchaus anstrengend und verwirrend werden, wenn man sich ohne geeigneten Reiseführer auf den Rundgang macht. Es gibt allerdings auch vor Ort eine ganze Reihe von Führungen in deutscher oder englischer Sprache, denen man sich gegen das entsprechende Trinkgeld anschließen kann. Aufgrund notwendiger Renovierungsarbeiten, die noch einige Jahre andauern werden, sind Teile des Geländes und auch der Gebäude gesperrt, wobei die zu besichtigende Fläche immer noch riesig ist.

    Der Rundgang durch die Anlage in Knossos beginnt auf dem gepflasterten Westhof vorbei an kreisrunden Schächten, die damals wahrscheinlich zu Opferritualen genutzt wurden. Rechterhand sieht man bereits die ersten Fresken mit Darstellungen lebensgroßer Opferträger. Innerhalb der Palastmauern sieht man links die Südpropyläen mit den weißen Säulen. Im Erdgeschoss des Palastes ist im Südkorridor das Fresko des Lilienprinzen zu sehen. In der nordwestlichen Ecke des Innenhofes befindet sich der Thronsaal. Er ist mit Greifenfresken geschmückt. Das Herzstück der Anlage von Knossos ist der Mittelhof, der der etwa 55 x 28 Meter groß ist. Der Ostflügel beherbergt die königlichen Privatgemächer. Interessant ist auch der Hof mit den steinernen Wasserleitungen, wo das Regenwasser gesammelt und unterirdisch über Rohrleitungen abgeführt wurde.

  • Palast von Knossos, Ausgrabungen

    Sir Arthur Evans

    Arthur Evans, Sohn einer reichen und gebildeten Familie Englands, wurde im Jahre 1851 geboren. Als junger Mann studierte er in Oxford, bereiste er als Korrespondent einer Manchester Zeitung den Balkan und unterstützte die Befreiungsbewegungen der Völker auf der Balkanhalbinsel. Nachdem er deswegen sogar im Gefängnis landete kehrte er nach der Entlassung nach Oxford zurück und wurde bereits mit 31 Jahren Direktor des Ashmolean Museums. Seine Leidenschaft galt der Archäologie und er interessierte sich besonders für Ausgrabungen und Funde Schliemanns, darunter auch Siegelsteine. Evans begann die unbekannte Schrift der Siegelsteine zu studieren und erfuhr, dass sie aus Kreta stammten. Deshalb reiste er 1894 nach Kreta und sammelte dort eine große Zahl alter Siegelsteine zusammen. Die Ergebnisse seiner Forschungen über die Schrift der Siegel veröffentlichte Evans 1895. Gleichzeitig weckten seine Reisen auf Kreta in ihm ein weiteres Interesse an den antiken Funden dieser Insel. Er besuchte auch den Hügel von Kephala in Knossos, der ein besonderes Interesse hervorrief und er begann Verhandlungen über den Geländeankauf mit den Eigentümern.

    Palast von Knossos auf Zentralkreta

    Er kaufte einen Teil des Geländes und im Jahr 1899 das übrige Antikengelände, so dass er am 23. März 1900 mit systematischen Ausgrabungen in Knossos begann. Da er schon bald mehr als 100 Arbeiter beschäftigte kamen die Ausgrabungen schnell voran. Als nach einer Woche bereits ein großes Gebäude zum Vorschein kam, war sich Evans schon fast sicher, dass dies zu einer Kultur gehörte, die älter war als die mykenische. Bereits Tage später war der Thron des Minos freigelegt. Bereits am Ende des ersten Jahres war der ganze Westflügel und im folgenden Jahr der Ostflügel freigelegt. Der erste Weltkrieg unterbrach die Arbeiten und so konnte er erst zu Beginn der 20-er Jahre weitergraben lassen. 1941 starb er im Alter von 90 Jahren in England. Auch wenn einige seiner Theorien und Methoden, besonders der Versuch der farbigen Rekonstruktion einiger Bilder und Gebäude angezweifelt und teilweise belächelt wurden, niemand hatte so viel Zeit mit der Erforschung der minoischen Kulturverbracht und solche Erkenntnisse zu Tage gebracht.

Hinweise und Tipps

Knossos liegt ca. 5 km südlich von Iraklion und die Anfahrt zum Palast ist gut beschildert und einfach zu finden. Es gibt zahlreiche Parkplätze direkt am Gelände, aber auch bereits einige hundert Meter davor an Tavernen und Restaurants. Die Anfahrt mit dem Bus mit der Linie 2 ist ebenfalls möglich, über die saisonal unterschiedlichen Fahrzeiten sollte man sich vor Ort erkunden. Da in den Sommermonaten der Touristenansturm in ganz Kreta sehr hoch ist, sollte man die Vormittagsstunden für den Besuch von Knossos nutzen, zumal man dann eventuell auch der brennenden Mittagssonne entgehen kann.