Kreta Reise-Impressionen

Spinalonga - Ruineninsel mit faszinierendem Flair

Ostkreta KarteSpinalonga Landkarte

  • Spinalonga landkarte

    Spinalonga - Lepra und der Ort der Verdammten

    Die kleine nur 200 x 400 m große Insel im Norden der Mirabello-Bucht, die eigentlich Kalidóna heißt, wird meist als Spinalonga bezeichnet, auch wenn dies eigentlich der Name der daneben befindlichen Halbinsel ist. Im Jahr 1913 beschloss die Regierung von Kreta, diese kleine Insel im Osten Kretas in eine Leprakolonie umzuwandeln und ließ alle Menschen, die an dieser Krankheit litten, dorthin bringen. Diese Entscheidung brachte der Insel Spinalonga einen makabren Bekanntheitsgrad, der dem Ort nach der Auflösung der Leprastation im Jahre 1957 bis heute einen beständigen Besucherstrom einbrachte.

    Lepra, eine hochansteckende Krankheit verdammte die Betroffenen zur Isolation und zum schmerzvollen Dahinsiechen. Vor der Entscheidung zur Eröffnung der Lepra-Insel hausten die Betroffenen meist in Höhlen oder abgelegenen Dörfern in den Bergen ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt.

    Die Isolierung der Kranken auf diese Insel sollte eine Ausbreiten der Krankheit verhindern. Besuche von Verwandten waren anschließend stets mit kompletter Desinfektion verbunden. Immerhin bekamen diese Ausgestoßenen, die normalerweise weitab von den Siedlungen leben mussten, hier eine Behandlung und konnten eine kleine Stadt mit eigener Infrastruktur aufbauen. Sie renovierten die vorhandenen Häuser, hielten Vieh und erbauten sogar zwei Kirchen. Viele der Lepra-Kranken konnten ihre Berufe ausüben, es wurde geheiratet, Familien gegründet und es gab auch zahlreiche Geburten. Man sah den meisten Bewohnern sogar ihre Krankheit überhaupt nicht an, da sie zwar die Bakterien in sich trugen, doch die Krankheit brach oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten aus.

    Erst in den 50er Jahren verlor die Krankheit ihren Schrecken, als die Entwicklung wirksamer Medikamente zur Heilung der Krankheit möglich wurde. Damit konnten das letzte Dutzend Überlebender die Insel verlassen und der Ort wurde zu einer historischen Erinnerungsstätte an eine eher makabre Epoche ihrer Geschichte.

    Die Insel kann heute gefahrlos besucht werden. Jeden Tag pendeln unzählige Ausflugsboote zwischen Eloúnda, Pláka und Ágios Nikólaos und der Leprainsel und bringen tausenden Touristen dieses Stück Geschichte näher. Die spezielle Atmosphäre dieser als Geisterstadt anmutenden ehemaligen Lepra-Siedlung lässt wohl viele Besucher trotz der Hitze eine Gänsehaut bekommen. Am besten und preiswertesten kann man mit kleinen Fischerbooten direkt von Pláka aus übersetzen. Empfehlenswert, auf jeden Fall während der Saison, ist der Besuch der Insel in den Morgenstunden, da dann sowohl die großen Touristenströme noch nicht da sind, als auch die Mittagsglut.

  • Die Festungsanlage

    Dieser jüngere Teil der Inselgeschichte lässt fast vergessen, dass Spinalonga weitere sehenswerte Überreste einer alten venezianischen Verteidigungsanlage besitzt.

    Im 16. Jahrhundert bauten die Venezianer wegen der akuten türkischen Bedrohung Kretas an vielen Stellen Kretas Festungsanlagen. So wurde 1579 auf Spinalonga eine praktisch unbezwingbare Festung zum Schutz der Bucht errichtet. Diese Festung mit ihren gewaltigen Kanonen wurde im venezianisch - türkischen Krieg niemals erobert, und selbst als die Türken 1699 Kreta ganz unterwarfen, blieben die Festungsinseln Spinalonga, Suda und Gramvousa in venezianischer Hand. Erst im Jahr 1714 übergaben die Venezianer die Festung freiwillig den Türken, da die Anlage keine unmittelbare Schutzfunktion mehr erfüllten musste. Die Türken nutzten die Festung dann noch bis Ende des 19. Jahrhunderts zum Schutz der Mirabéllo-Bucht.

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  • Spinalonga auf Kreta
  • Spinalonga auf Kreta

Hinweise und Tipps

Die kleine Insel Spinalonga liegt in der Bucht von Mirabello. Man kann die Überreste der Festung und der Leprastation mit den angrenzenden Wohneinheiten ganzjährig besuchen. Die kurze Überfahrt mit Booten kann von Elounda oder Plaka erfolgen. Wenn man von Plaka nach Spinalonga übersetzt sollte man vor oder nach der Überfahrt gemütlich in einer der zahlreichen Tavernen speisen oder einen Kaffee trinken.